Suizidale mütterliche Brutpflege und die Evolution von Sozialität

Projektbeschreibung

Der Umstand, dass sich dauerhaft sozial lebende Tiergesellschaften etablieren konnten, ist ein zentrales Thema der Evolutionsbiologie. Besonders spannend ist die Frage, wie sich die soziale Lebensweise bei einer gemeinhin als aggressiv und kannibalistisch geltenden Tiergruppe wie den Spinnen entwickeln konnte. Wir untersuchen mit physiologischen, histologischen und verhaltensbiologischen Methoden, welche Anpassungen die Evolution von Sozialität in Spinnen begünstigt haben könnten.

Unsere Modelorganismen sind Röhrenspinnen (Eresidae) der Gattung Stegodyphus, welche sowohl nur zeitweise sozial lebende (subsoziale) als auch permanent soziale Arten umfasst. Röhrenspinnen sind aufopferungsvolle Mütter, die ihre Jungen mit einem hervorgewürgten Nahrungsbrei versorgen und anschließend von ihren Jungen aufgefressen werden. Auf diese Weise ist es ihnen möglich, ein Maximum an Ressourcen an ihre Jungen weiterzugeben und ihnen einen bestmöglichen Start ins eigenständige Leben zu gewähren. Diese über mehrere Wochen andauernde Pflege setzt ein hohes Maß an Toleranz und Zugewandtheit zwischen der Mutter und den Jungen als auch zwischen den Jungen untereinander voraus. In sozialen Röhrenspinnen kümmern sich nicht nur Mütter um die Brut. Auch sich nicht fortpflanzenden Weibchen innerhalb der Kolonie helfen bei der Aufzucht. Es wird daher angenommen, dass der extreme Brutpflegeprozess ein Schlüsselaspekt für den Übergang von der subsozialen zur sozialen Lebensweise darstellt.

Wir betrachten in unserer Forschung verschiedene Gesichtspunkte des Brutpflegeverhaltens bei Röhrenspinnen, um die Anpassungen zu entschlüsseln, die eine kooperative Brutpflege und eine damit einhergehende soziale Lebensweise ermöglichen.

Projektbezogene Publikationen:

Junghanns, A.; Holm, C.; Schou, M. F.; Sørensen, A. B.; Uhl, G. & Bilde, T. 2017: Extreme allomaternal care and unequal task participation by unmated females in a cooperatively breeding spiders. Animal Behaviour 132: 101-107
 

Kooperationspartner:

Prof. Dr. Trine Bilde